Saeland rund vom 12.- 19. August 2000


Vorher in Hannover
Wer kennt Namen und Liegeplatz der Yacht von den Nachrückenden? Keiner! Mobiltelefone ersetzen immer mehr langfristige Planung und Absprachen.

Samstag, 12.08. Hannover - Nyborg - Skaeldskoer
Veronicas Liegeplatz wird zum Zeitpunkt der Abreise bekannt; ruhige Fahrt nach Nyborg, viel Verkehr, auch zähfließend, aber nur ein Stau; die Yacht wird schnell gefunden.
Großes Hallo; Check-Out eines Teils der alten Crew, Check-In der Neuen; Umtrunk, knappe Einweisung und Auslaufen nach Skaeldskoer; Nachmittagsflaute und Abendbrise treiben die Veronica an der Store-Belt- Brücke vorbei; die Einfahrt in die unbefeuerte Ansteuerung Skaeldskoer erfolgt mit Ausguck im Bugkorb und Anleuchten der Spieren durch Taschenlampe bis uns ein Angler die letzten Kabellängen lotst. Leider kostet uns diese Ansteuerung die Fahnenstange.
In Skaeldskoer ist Stadtfest und es steppt der Bär, auf den Toiletten stört weniger der Geruch als das Brennen in den Augen.

Sonntag, 13.08., Skaeldskoer - Vejroe
Spätes Auslaufen -natürlich wegen der Toilettensäuberung- und Treiben in der Mittagsflaute verkürzen die Etappe nach Vejroe statt Vordingborg oder Klintholm; es bleibt Zeit für Sinkversuche mit BD und Fangversuche mit Makrelenangel; die Boxen in Vejroe sind wie ein enger Schuh, wenn man erst drin ist, fühlt man sich wohl; die sanitären Anlagen sind nicht geschmacksneutral, wie sollten sie auch, wenn mehr Gäste als Einwohner auf der Insel sind.

Montag, 14.08., Vejroe - Vordingborg
Die Brötchen schmecken nicht wie ihr Preis vermuten läßt - vermutlich eingeflogen- , aber sie sättigen; das Ausparken aus der Box geht wie das Einparken nicht im ersten Versuch, aber ohne Schäen; draußen kommt der Wind aus Vordingborg, also kreuzen trotz einem Wendewinkel von 120°, es macht sogar Spaß und die Wenden werden immer besser, so daß wir unter der Brücke durch kreuzen und sogar darunter wenden; die Rutsche über ein Flach in die Ansteuerung Vordingborg Nordhafen beschert weder Fische im Boot noch Netze in der Schraube oder Matsch am Paddel und der Rest bis zum Anlegen ist unspektakulär, ein 9-jähriger Newby steuert. Ein Teil der Crew verunsichert die Stadt.

Dienstag, 15.08. Vordingborg - Helsingoer
Ein ehrgeiziger Schlag steht bevor, aber die Fahrt durch den Groensund und an Moensklint vorbei erfolgt bei raumem Wind und bewölktem Himmel; Wachen wechseln regelmäßig alle vier Stunden; der Rhythmus ermüdet und die Kajüte ist zu warm und schlecht zu belüften; Kopenhagen in der Nacht ist die Oeresundbrücke zur Rechten und Tivoli zur Linken, die Stadtbeleuchtung verdeckt keine Fahrwassertonnen; viel Verkehr; nach Wachwechsel in die Koje; Helsingoer bietet mit Schloß Kronstad eine schöne Ansteuerung, der Yachthafen ist zwar voll, aber ein Plätzchen wird nach vielen Runden gefunden; Frühstück, denn ist ist Mittwoch früh. Wachwechsel machen die Tage schachbrettartig; es ist hell oder dunkel, aber nie dämmrig. Dämmerung ist das Privileg der Steuerbordwache.

Mittwoch, 16.08., Helsingoer
Essen, Schlaf und die ersten Duschen seit anderthalb Tagen. Ein Teil der Crew verunsichert das Schloß und schmeißt eine Runde Kuchen -durch die Gegend.

Donnerstag, 17.08., Helsingoer - Nyborg
Ein noch ehrgeizigerer Schlag steht bevor; nur der Wind tut so als ob ihn das nichts anginge, er bläst wenig bis gar nicht und dann aus unerwarteter Richtung, scheint den Wetterbericht nicht gelesen oder verstanden zu haben. Segeltrimm ist alles oder auch nicht; immerhin macht ein fliegendes Unterliek einen schönen Bauch und zieht die Genua ohne Groß und Baum nur manchmal besser. Der Wachwechsel fordert Tribut, den die Lotsenkoje nicht auf jedem Bug zahlen kann. Es dämmert und frischt auf während der Backbord- Freiwache.

Freitag, 18.08, Helsingoer - Nyborg
Die Querung des Belt- Fahrwassers beschert der Steuerbord- Freiwache Schlafstörungen durch mehrere Wenden, unter anderem wegen eines äußerst sparsam beleuchteten Tankers; er sollte sich einige der Sternschnuppen greifen - es sind wenn ich richtig erinnere die Perseiden. Die Belt- Brücke taucht nach zwei Wachwechseln hellgrau vor taubengrau an der Kimm auf, aber über die Annäherung vergehen noch zwei weitere Wachwechsel; die üblichen Motive -Brücke von unten- und eine Variation -längs der Brücke- werden abgelichtet und Nyborg in der Dämmerung während der Steuerbordwache erreicht. Der Schlag dauerte 36
Stunden.

Samstag, 19.08. Nyborg - Hamburg
Nach Bretterfrühstück wird gepackt, aufgeklart, Reinschiff gemacht und eine seltene Schweizer Seeflagge fotografiert; ein Schrubber lernt noch eben schwimmen und dann wird die Yacht zurückgegeben; trotz akribischer Wegpunkt- Navigation gibt es keine Streifen am Boot, was auch am Erscheinungsdatum der Karten liegen mag. Good bye Veronica. Tschüs an die Crew.
Die Rückreise verläuft bis Hamburg nahezu ereignislos, an der Grenze etwas stockend, dahinter ein Fahrrad auf der Bahn; in Hamburg großes Hallo bei Freunden und Auf Wiedersehen für die aufgelöste Fahrgemeinschaft Solingen- Hannover.

Sonntag, 20.08., Hamburg - Hannover
12 km Stau bei Soltau bedeuten drei Stunden kostenloses Parken.
Willkommen im Alltag.



geschrieben von HC Ahlmann, in Form gebracht und veröffentlicht von Martin Kortmann, hosted by KortWeb.