Unerschrocken durch den KanalDrei Wochen Sommerurlaub und ein Boot in St. Malo, was will man eigentlich noch mehr? > klar, noch mehr Urlaub, ein eigenes Boot und überhaupt ....< Von einem alten Seeräuberhafen aus wollen wir, das sind "der beste Ehemann der Welt", ich (Ulrike) und die Freunde Friedrich und Heinz, die Kaperfahrten der englischen und französischen Freibeuter nacherleben. Na ja, also von St. Malo aus soll es über den Kanal nach England, an der Südküste Richtung Westen, wieder zurück an die Nordküste der Bretagne und daran entlang zurück nach St. Malo gehen. Mit dieser erprobten Crew sollten auch die gefährlichsten Ereignisse wie die Begegnung mit riesigen Seegetieren (Delfinen ;-))) ) oder anderen Schiffen überstanden werden. Unsere Abenteuer begannen so... Vor der anstrengenden Seereise war zuerst die nicht minder anstrengende Anreise zu dem Hafen der Freibeuter in der Nordostecke der Bretagne zu überstehen. Durch dunkle Nacht und über schwankende Brücken (neugebaut bei Le Havre - sehenswert) kämpfen sich die Unverzagten zu ihrem Ziel durch. Am frühen Morgen kurz vor Mittag ist dann der Hafen mit tausend schwankenden Masten erreicht. Hunderte Schiffe liegen in den Marinas von St. Malo und eines davon wird den Unbeugbaren für drei Wochen Schutz, Schild und Heim sein. Schnell wird der einäugige listig zwinkernde Makler aufgetrieben und auf seinem Holzbein voranhinkend weist er der Crew mit dem Eisenhaken anstelle der winkenden Hand den Weg über die zernarbten Planken der wankenden Stege (hoppla die Phantasie...). Na ja, am Büro hing ein Zettel mit der Liegeplatznummer und der Vercharterer machte gerade Mittagspause. Das Boot war eine Jeanneau Sun Oddessey 33 mit einfacher aber ausreichender Ausstattung und genügend Platz für die Crew und die gesamte Ausrüstung. Auf der langen und gefahrvollen Reise haben die Mutigen kaum Proviant mitnehmen können, deshalb strömen sie in die Gassen von St. Malo um auf den Märkten und Krämerläden die notwendigen Dinge zu erstehen. Gar mancher Handel wurde abgeschlossen und nicht jeder Krämer war bereit, die gewünschten Kostbarkeiten abzugeben. Im ersten Supermarkt wollte man der Crew partout nichts zu Essen verkaufen, nun ja, sehr schnell hat sie gemerkt, dass im Baumarkt auch mit roher Gewalt nichts Essbares aufzutreiben ist. Nach langem Schachern und Feilschen waren die Karren, die die Sklaven zur Galeone schoben, übervoll mit den nötigsten Dingen, die für das Überleben auf hooooher See unabdingbar sind. Vor allem der Cidre muss wohlüberlegt und in ausreichender Menge vorrätig sein, sonst ist die Meuterei unausweichlich. Die Crew verbringt den Rest der Nacht in den Spelunken der Altstadt und vergnügt sich bei allerlei Lustbarkeiten und seltsam schmeckenden und riechenden Köstlichkeiten aus aller Herren Länder. Es gab elsässisches Bier, italienisches Eis und bretonische Galettes und zum Anschauen die Auslagen der vielen kleinen hübschen Boutiquen der Altstadt. Die Altstadt von St. Malo, einem ehemaligen Seeräubernest, ist wirklich sehenswert. Nach ihrer Zerstörung wurde sie wieder originalgetreu aufgebaut. Ein Seeräubernest war St. Malo, weil von dort die Kaperschiffe gestartet sind, die die englischen und spanischen Schiffe angegriffen haben. Heute ist St. Malo ein Touristenort mit riesigen Marinas und großem Fährhafen. ![]() Nachdem alle Vorbereitungen sorgfältig und gründlich getan sind, die Vorräte gebunkert sind und das Offizierskorps das Schiff gründlich inspiziert hat, schlägt die Stunde des Abschieds vom sicheren Hafen und der Beginn der Reise voller Fährnisse und Schrecken. Am hohen Sonntag geschieht es, weil die Astrologen diesen Tag und die genaue Stunde als die einzig Richtige befunden haben, um überhaupt eine Chance zu haben, die Gefahren der Reise zu überstehen. Na ja, der Tidenkalender gab die Abfahrzeit vor. St. Malo hat eine Tide von rund 10 Metern und die Marina hat einen Süll. Der verhindert, dass die Marina bei Ebbe trocken fällt. Am Sonntag ist also Reisebeginn und am späten Vormittag legt die WHY 3 ab und nimmt Kurs auf das erste Ziel der Reise, die Kanalinseln. Jersey soll unser erstes Ziel sein. Die Crew ist übrigens noch nicht vollständig, denn neben Friedrich sind es zur Zeit noch Ulrike und Bernhard, der "beste Ehemann der Welt", während Heinz, unser Mathematiker, der sich verrechnet hat, aber das ist eine andere Geschichte, erst in England zusteigen wird. Davon ist gesondert zu berichten, so der werte Leser/die werte Leserin dazu geneigt sein sollte. Die Reise zu den Inseln der Glückseligen (das Steuerparadies) oder Überfahrt nach Jersey Mit günstigem Wind, der als laue Brise die stolz geschwellten Segel füllt und mit Hilfe des Meeresgottes der der WHY 3 wohlgesonnen ist, macht das Schiff gute Fahrt und umfährt die gefahrvollen Klippen der halb im Wasser versunkenen Inselgruppe der Minques. Gar viele Boote haben an ihren scharfen Zähnen ein grauenvolles Ende gefunden, wenn sie urplötzlich aus den tosenden Wellen empor nach den Rümpfen der vorbeifahrenden Schiffe haschen. In rauschender Fahrt schießt die WHY 3 hin zur sagenumwobenen Insel und erreicht den schützenden Hafen von St. Helier, der von dräuenden Festungen und Felsen umrahmt dem Besucher ein gar freundliches Willkomm bietet. Das heißt, dass wir mit leicht achterlichem Wind und mitschiebendem Strom die Minques umfahren konnten und genau zur richtigen Zeit in den Hafen von St. Helier eingelaufen sind bevor der Strom gekentert ist. In St. Helier haben wir im Jachthafen festgemacht und uns die Insel etwas angeschaut. Ein Rundgang durch die Stadt diente in erster Linie zur Suche nach einem gemütlichen Pub und bei dem einen oder anderen Glas Bier - auf der Insel gebraut - haben wir uns über die nächste Tour unterhalten. Während der erste Tag recht einfach zu berechnen war, was Strom und Tide betraf, so verlangte der zweite Tag und die Fahrt nach Guernsey schon etwas längere Überlegung um die beste Abfahrtzeit festzulegen. Kurz vor Mittag sollte es dann losgehen um mit mitlaufendem Strom und vorlichem Wind von Backbord zunächst zur Südwestspitze Guernsey zu segeln. Dort angekommen müssen wir den richtigen Augenblick abpassen bis der Strom kentert und nicht mehr vom Norden her durch den Little Russel mit 4 oder 5 Knoten gegenschiebt. Dank des günstigen Windes kommen wir etwas zu früh an, weil aber Wind und Welle günstig sind wollen wir es wagen und trotz noch geringem Gegenstrom in den Little Russel einfahren. Der Little Russel ist die Meerenge zwischen der großen Insel Guernsey und den beiden östlich vorgelagerten kleinen Inseln Herm und Sark. An diese schließt sich dann nordöstlich noch Alderney an. Am südlichen Eingang steigt der Meeresboden von 60 m auf 10 m an. Das zusammen mit Wind von achtern und Strom von vorn bringt das Meer doch etwas zum Kochen und als wir in die Meerenge einfahren kommen wir uns vor wie in einem Kessel. Weil die Wellen aus allen Richtungen kommen kann es doch etwas feucht werden. Zwei Wellen schieben dann auch noch von achtern und die zweite ist so mächtig, dass Ulrike, die gerade am Steuer steht, von hinten bis zur Halskrause umspült wird und das Wasser im Cockpit kurzfristig kniehoch steht. Wie bereits gesagt, es waren nur diese beiden Wellen und Gefahr für das Schiff hat nicht bestanden, aber es war schon beeindruckend, wie da eine Wand von Wasser plötzlich von achtern über das Boot hereinbricht. Bei Sturm muss man das nicht haben aber jetzt bei schönem Wetter und strahlendem Sonnenschein war es einfach ein Erlebnis. Ulrike hat dann das Steuer an Friedrich abgegeben und sich erst mal trockene Klamotten angezogen. Gemütlich sind wir dann an der Ostküste von Guernsey entlanggesegelt und haben die wunderschöne Sicht auf die Felsen und Klippen und auf das einmalige Panaroma von St. Peter Port, der Inselhauptstadt, genossen. Ganz im Norden von Guernsey gibt es noch einem klitzekleinen Hafen, Beaucette. Das ist unser Tagesziel und am frühen Nachmittag sind wir dann auch da. Weil die Einfahrt nach Beaucette tidenabhängig ist und wir noch etwas zu früh waren haben wir zunächst noch ein paar Schläge gesegelt und uns dann an eine Wartemooring gelegt um die Zeit mit einer Tasse Tee und Schnittchen abzuwarten. Es hat dann auch nicht lange gedauert und ein Boot des Hafenmeisters ist aus der Hafeneinfahrt gekommen und hat die zwischenzeitlich auf rund ein halbes Dutzend angewachsene Zahl an wartenden Booten eins nach dem anderen in den Hafen geschickt. Die Einfahrt von Beaucette ist aus einigen hundert Metern Entfernung kaum zu erkennen. Der ganze Hafen besteht aus einem Felsring, in den die Briten einen schmalen Kanal gesprengt haben, dessen Seiten sie einfach weiß gestrichen haben. Der Kanal ist vielleicht 8 m breit. Innen angelangt haben wir einen schönen Platz direkt am Steg längsseits erhalten. Weil Friedrich wusste, dass man im Hafenrestaurant sehr lecker essen kann, aber auch den Tisch vorbestellen muss, haben wir das zunächst in Angriff genommen, aber leider sind wir zu spät gekommen und alles war für den Abend schon belegt. Weil es auch kein anderes Restaurant in erreichbarer Nähe gibt haben wir also auf der WHY 3 zu Abend gegessen. Dort hatten wir zwischenzeitlich Nachbarn bekommen, ein Boot mit fünf Leutchen, garantiert keiner unter siebzig, die genau wie wir am nächsten Tag über den Kanal segeln wollten. Der Wetterbericht für den Mittwoch sagte Wind aus Nordnordwest voraus, also genau aus der Richtung, in die wir segeln wollten. Deshalb haben wir beschlossen, einen Hafentag einzulegen und uns die Insel anzuschauen. Mit einem gemieteten Auto (recht preiswert) ging es dann auf der falschen Seite durch Sträßchen, die zum Teil so eng waren, dass es selbst für die eine falsche Seite kaum gereicht hat. Ein unterirdisches Lazarett, das die Deutschen im zweiten Weltkrieg angelegt haben, gab es zu besichtigen (ziemlich beeindruckend und beklemmend) und verschiedene kleine Handwerksbetriebe, die ihre Waren zum Kauf angeboten haben, unter anderem eine Kerzenfabrik mit unheimlich kitschigen knatschbunten Kerzen. Die Inselhauptstadt St. Peter Port selbst ist ganz auf Tourismus eingestellt und in der recht großen und abwechslungsreichen Fußgängerzone herrscht reges Treiben. Die Mischung aus englischer Tradition und französischem Flair macht das ganze sehr gemütlich und man fühlt sich sofort wohl, zumal die Menschen sehr freundlich sind und sich bei Fragen viel Zeit nehmen einem zu helfen. Am Abend haben wir dann wirklich sehr gut im Hafenrestaurant von Beaucette gegessen und sind nach einigen guten Schlucken Wein und Bier zum Boot marschiert und haben uns in die Kojen gelegt. Am nächsten Morgen, Mittwoch den 11.8.,ging es dann doch recht früh los, schließlich wollten wir heute rund siebzig Meilen zurücklegen. Es war der Tag der Sonnenfinsternis und wir haben uns schon darauf gefreut zum richtigen Zeitpunkt genau im Kernschatten zu sein und alles genau beobachten zu können. Die ersten paar Meilen ist alles gut gelaufen. Ein leichter Wind aus der richtigen Richtung hat uns vor sich hergeschoben. Es wurde richtig angenehm warm aber leider ist es auch bedeckt geblieben. Nach zwei Stunden dann ist der Wind komplett eingeschlafen und das Meer war platt wie ein Laken. Also haben wir die Genua eingerollt, das Groß als Stützsegel stehen lassen und den Motor angeworfen. Endlich war es soweit, der Zeitpunkt der Sonnenfinsternis nahte und wir haben uns die Schutzbrillen und die Ferngläser bereitgelegt, die Kamera und den Camcorder fertig gemacht. Leider blieb es bewölkt und bis auf wenige Augenblicke war die Sonne nicht zu sehen. Um so beeindruckender war es aber dann, als es innerhalb einer Minute stockfinster wurde und nach einigen Minuten dann wieder genau so schnell wieder hell. Trotz alledem waren wir doch etwas enttäuscht, aber das ist wohl vielen anderen ebenso ergangen. Auch nach der Sonnenfinsternis wollte einfach kein Wind aufkommen und wir mussten unseren ursprünglichen Plan nach Salcombe Estuary zu segeln aufgeben. Der nächste erreichbare Hafen war Dartmouth und so haben wir Kurs nach dort angelegt. Der Hafen von Dartmouth liegt in einer stark versandeten Flussmündung zwischen hohen Felsen mit einer gewundenen und engen Fahrrinne. Schon bald war klar, das wird eine Nachtansteuerung. Nach der (sehr genauen) IMRAY-Karte war die Hafeneinfahrt sehr gut befeuert. Leider ist das Städtchen Dartmouth rechts und links der Einfahrt in die Steilküste entlang der Flussmündung eingebettet und neben den Feuern für die Fahrrinne gab es deshalb auch jede Menge Beleuchtung. Trotz alledem haben wir die Rinne gut gefunden und sind dann in den Fluss eingefahren. Dort lagen schon einige hundert Segelschiffe und wir haben erst nach langem Suchen eine Mooring entdeckt, an der noch Platz für unser Boot war. Im sehr stark strömenden Wasser an der Mooring anzulegen war auch ein nettes Erlebnis aber schon bald waren wir gut gesichert und haben uns unseren Anleger gegönnt, ein Gläschen Cidre. Anschliessend gab es Abendessen und so kurz nach Mitternacht ging es dann in die Kojen. ![]() Am nächsten Tag, Donnerstag den 12.8., haben wir erst einmal ein WaterTaxi gerufen und uns an Land übersetzen lassen(einigermaßen preiswert). Das Städtchen Dartmouth ist sehr idyllisch mit vielen alten Fachwerkhäuschen und lohnt wirklich einen Besuch. Besonders schön war der alte überdachte Marktplatz, der sehr hübsch restauriert war. Nachmittags wurde dann Anker gelichtet und ab ging es Richtung Torquay. Diese kleine Hafenstadt liegt etwas weiter nordöstlich an der Küste, auf der östlichen Seite einer großen Bucht. Es waren nur ein paar Meilen, der Wind stand günstig und war ausreichend kräftig, so dass wir schon bald den Hafen von Torquay in Sicht hatten. Die lange Kaimauer entlang durch die Öffnung kamen wir in einen sehr großen Hafen, der ebenfalls ziemlich gut gefüllt war. Einen Liegeplatz am Steg haben wir aber trotzdem gefunden. Nachdem wir die in England recht happigen Liegegebühren entrichtet hatten wollten wir uns das Städtchen etwas näher ansehen. Am Hafen entlang gibt es einige eher weniger einladende Kneipen und die recht üppige Fußgängerzone ist ein ganz schönes Stück weg vom Hafen. Wir haben dann doch noch eine Gelegenheit gefunden englisches Bier zu verkosten und sind dann wieder zufrieden und müde zum Schiff zurückgekehrt. Am nächsten Tag, Freitag den 13.8., hieß es dann Kurs auf Salcombe Estuary, ein kleines Hafenstädtchen, das wie Dartmouth in einer Flußmündung liegt und zwar einige Meilen und einen Landvorsprung weiter westlich von Dartmouth. Zunächst sind wir ganz gut vorangekommen, allerdings als wir dann um den Landvorsprung herum mussten, hatten wir den Wind direkt von vorne und nach etlichen Schlägen kam dann auch noch Nebel auf und Friedrich hat dann den Jockel angeworfen damit wir nicht die Nacht so nah unter der Küste auf See verbringen mussten. Trotzdem wurde es auch dieses Mal wieder fast eine Nachtansteuerung, aber weil wir da ja schon Erfahrung damit hatten, war das überhaupt kein Problem. In Salcombe haben wir einen weiteren Hafentag eingelegt und uns das Städtchen, das ebenfalls sehr reizend und hübsch ist genau angeschaut. Auch hier gab es ein WaterTaxi, das uns an Land gebracht hat und wir haben den schönen Sonnentag zu einem ausgiebigen Rundgang genutzt. Dann wurde es Sonntag und wir haben erneut Anker gelichtet und sind aus Salcombe herausgesegelt mit Kurs auf Plymouth. Wieder haben wir einen hübschen und einigermaßen warmen Tag und der Wind ist auch recht günstig. Die 24 Meilen schaffen wir dann auch in rund fünf Stunden und legen gegen halb fünf nachmittags im Mayflower Yachthafen in Plymouth an. Der Hafen selbst wäre eigentlich ganz nett und einladend, wenn er nicht um einen Betonklotz von Bettenburg herumgebaut wäre. Er liegt außerdem etwas außerhalb von Plymouth was aber nicht ganz so schlimm ist, denn Plymouth ist nun wirklich keine Großstadt. Heinz kann das ganz genau sagen, denn der war für den Sonntag angekündigt. Heinz kam mit dem Zug und ist in Plymouth Hauptbahnhof ausgestiegen. Er wusste, dass wir in einem Yachthafen namens Mayflower liegen und hat sich entsprechend durchgefragt. Leider verstehen die Briten das Englische nicht so richtig und haben ihn erst einmal zu einem Mayflower Yachtclub geschickt. Das wäre ganz nett gewesen, wenn dieser Club nicht genau am entgegengesetzten Ende von Plymouth gewesen wäre und außerdem auch keinen Hafen hatte. Der sportlich durchtrainierte Heinz hat das aber als Herausforderung angesehen und nach einer Tour durch die City ist er dann doch noch wohlbehalten wenn auch etwas später abends im Mayflower Yachthafen angekommen und wir konnten dann gemeinsam in der Hafenkneipe leckeres englisches Bier trinken. Als wir das dann hinter uns gebracht hatten sind wir gemütlich zum Boot marschiert und haben den Tag beschlossen.
Unser Schiff in der Mayflower Marina Am nächsten Tag haben wir auf die reichhaltigen Erfahrungen zurückgegriffen und unter der Führung von Heinz eine Besichtigungstour durch Plymouth gemacht. Dabei haben wir noch einige Einkäufe erledigt. Plymouth hat eine sehr schöne und recht große Einkaufs- und Fußgängerzone und auch einen hübschen Altstadtkern. Letzteren haben wir kennengelernt, weil wir uns entschlossen hatten wegen der vielen Einkaufstüten doch einen Bus zu nehmen um zum Hafen zu fahren. Nachdem wir nach intensiven Gesprächen mit der örtlichen Busfahrerschaft den unserer Meinung nach idealen Bus ausgewählt hatten um auf direktem Wege zum Hafen zu gelangen, sind wir zunächst mal in die Gegend gekommen die Heinz sofort als Ortsteil identifizieren konnte in dem der Mayflower Club lag. Von dort aus ging es direkt in einer ausgedehnten Südkurve um ganz Plymouth herum und ganz im Süden sind wir dann durch ein altes und liebevoll restauriertes Hafenviertel gefahren, bevor wir einigermaßen westlich des Ortskernes dem Bus entstiegen, um die letzten 2 Kilometer doch lieber an der frischen Luft zu verbringen und per Pedes zum Hafen zu laufen. Dort angekommen wurde zunächst der Proviant verstaut und dann haben wir die Leinen losgeworfen um noch einen kurzen Schlag nach Fowey etwas weiter westlich von Plymouth zu segeln. Das waren ebenfalls nur 25 Meilen aber für den ersten Segeltag von Heinz - sozusagen zur Einstimmung - sollte das auch reichen. ![]() Der Wind stand gut und wir sind recht zügig vorangekommen. Weil wir aber erst gegen vier Uhr in Plymouth abgelegt haben sind wir dann erst in der Dämmerung in Fowey angekommen. Das war auch gut so und ausgezeichnet getimt, denn als wir gerade das Boot festgemacht hatten und unseren Anleger (wie immer Cidre) klar gemacht hatten wurden wir von einem fulminanten Feuerwerk überrascht. Fowey hat sich richtig in Unkosten gestürzt um uns zu begrüßen und sicher eine Viertelstunde lang in den Himmel geschossen was das Zeug hielt. Nach dieser Einstimmung konnte es nur ganz toll werden. Der nächste Tag wurde mit Starkwind und hohen Wellen angekündigt, deshalb wollten wir Fowey die Chance geben uns noch besser zu begrüßen. Schönes warmes Wetter mit einigen wenigen wirklich nicht störenden Schauern haben uns an diesem Tag begleitet und wir haben in Fowey ein nettes Restaurant gefunden, dessen Küche darauf hinwies, dass der Koch ein Italiener war. Der hatte auch einen Vogel, nämlich einen Kakadu, der sich von Ulrike hingebungsvoll kraulen lies. ![]() Fowey Nach dem leckeren Essen haben wir dann einen Bummel durch das kleine alte Städtchen gemacht. Auf dem Rückweg kamen wir gerade zurecht um uns eine Regatta in der Flussmündung anzuschauen. Wie bei uns auf dem Kaarster See sind auch hier mehrere Bootsklassen gleichzeitig gefahren. Neben recht schweren Holzbooten sind auch 420iger und Laser gesegelt. Nun war Starkwind nicht nur angesagt sondern auch tatsächlich aufgekommen und im tief eingeschnittenen Flusstal war der Wind zudem noch recht böig. Für die schweren Holzboote war das genau das richtige Wetter und die Schiffchen sind mit einem Affenzahn quer durch die an den Mooring liegenden Yachten durchgebrettert. Die 420iger und die Laser hatten da schon etwas mehr Probleme und keines der Boote dieser Klassen schaffte den Parcours ohne mindestens eine Kenterung. Vor allem die Laser fielen reihenweise ins Wasser und die Aufsichtsboote hatten alle Hände voll zu tun. Das alles hat aber dem Spaß an der Regatta keinen Abbruch getan und am Abend wurde so richtig ausgiebig gefeiert. Am nächsten Tag, dem Mittwoch sollte es gegen Mittag dann wieder abflauen und nachmittags dann auf Windstärke 4 - 5 zurückgehen. Auch die Wellen sollten dann nur noch bis zu zwei Meter hoch sein. Deshalb haben wir am späten Vormittag alles bereit gemacht zum Auslaufen. Wir haben Diesel getankt und sind um vierzehn Uhr Richtung Süden ausgelaufen mit Ziel auf l' Aber W'rach im Westen der bretonischen Nordküste. Es war auch höchste Zeit, dass wir wieder Richtung Frankreich Kurs genommen haben, denn unser nicht geringer Vorrat an Cidre neigte sich rapide dem Ende zu und in Cornwall ist Cidre nun mal nicht so sehr bekannt. Genau nach der Wettervorhersage flaute der Wind auch tatsächlich auf 4 - 5 ab und die Wellen waren auch nicht viel höher als zwei bis drei Meter - zumindest bis zum frühen Abend. Dann frischte der Wind stetig auf bis auf Windstärke 8 in Böen mehr. Auch die Wellen wurden unwesentlich höher und dafür die Segelfläche immer kleiner. Die Geschwindigkeit haben wir dadurch nicht großartig verändert, aber es war doch etwas mühsam, das Boot einigermaßen mit Wind und Wellen und auf Kurs zu halten. Trotz der rauhen See war die Nachtfahrt aber doch ein unvergessliches Erlebnis, denn die großen Tanker und Frachtschiffe deren Weg wir beim Durchqueren der Schifffahrtsstraße kreuzten waren in der klaren Nacht wegen ihrer prächtigen Beleuchtung hervorragend auszumachen. Das Wetter hat uns dann aber auch gezeigt, wie gut eine Sprayhood ist, wenn man sie denn hat. Wenn jede zweite Welle überkommt und man völlig ungeschützt das leckere Seewasser zu schmecken bekommt, dann kann man eigentlich nur froh sein, dass es Sommer ist, die Nacht nicht allzu kalt ist und auch das Wasser einige Grad hat. Auf jeden Fall hat sich unsere Segelbekleidung recht gut bewährt und das Schiff hat sich in der rauhen See recht wacker gehalten. Heinz hat sich für diese Tour eine besondere Aufgabe gestellt und in der Koje die Dichtigkeit von Plastiktüten getestet. Zum Morgen hin wurde es dann wieder besser. Die See wurde ruhiger und der Wind flaute ab auf 3 - 4 Beaufort. Ulrike weigerte sich standhaft schlafen zu gehen, weil sie unbedingt den Sonnenaufgang miterleben wollte. Der war dann auch wirklich sehenswert und bei strahlendem Sonnenschein und ruhiger See kam auch Heinz wieder in die Plicht um frische Luft zu tanken. Kaffee wollte er dann aber doch noch nicht mittrinken und Ulrikes Phantasien von einem leckeren Frühstück bestehend aus Chili con Carne entlockten ihm lediglich ein Schaudern. Bewährt hat sich bei dieser Nachtfahrt, dass wir etliche Müsliriegel dabei hatten. So zwischendurch gegessen haben sie uns hervorragend über die Runden geholfen. Kurz nach Mittag, nach rund 24 Stunden und knapp hundert Meilen sind wir dann in die Flussmündung des l'Aber Wrach eingelaufen und haben an einer Mooring festgemacht. Auch Heinz hatte zwischenzeitlich Gefallen an Ulrikes Phantasien gefunden und drei große Dosen Chili con Carne mit Reis und Brot waren für uns ausgehungerte Meute gerade die richtige Menge. Satt und müde hat sich dann die halbe Crew - Ulrike und Friedrich erst einmal hingelegt. Heinz, jetzt wieder im Vollbesitz seiner geistigen und körperlichen Kräfte, und ich haben uns dann mit dem Dinghi auf den Weg gemacht um uns die paar Häuser anzuschauen. Das war dann auch schnell geschehen und der kleine Spaziergang hat uns beiden richtig gut getan. Zurück auf dem Boot haben wir uns auch noch etwas ausgeruht und zum späten Nachmittag hin ist dann die gesamte Crew in l'Aber Wrach eingefallen. Ziemlich am Ende der Ortschaft gab es ein kleines Restaurant, das wir ausprobieren wollten. Obwohl das Lokal fast gänzlich leer war brauchte der Kellner eine beeindruckende Zeit bis er anhand eines riesigen Buches festgestellt hatte, dass wir uns einen der freien Tische aussuchen konnten. Nachdem wir Platz genommen hatten wurde uns zuerst eine recht umfangreiche Speisenkarte offeriert, die mit einigen sehr interessanten Gerichten aufzuwarten hatte. Während Ulrike, Friedrich und ich uns Fischvariationen bestellten hat sich Heinz Muscheln in Currysoße bestellt. Natürlich haben wir dazu Cidre des Hauses getrunken und zwar nicht nur einen Krug. Alle waren wir vom Essen wirklich begeistert und das Restaurant "Captain" kann man nur weiterempfehlen. Zur Verdauung haben wir dann nicht nur einen Armagnac zu uns genommen sondern auch noch einen ausgiebigen Spaziergang gemacht, unter anderem, um unseren Cidre-Vorrat aufzufrischen. Der Laden, den wir dann gefunden haben, wäre als authentische Kulisse für jeden Film über das 19.Jahrhundert geeignet und die ältere Dame, die uns bediente, hat uns ihr letztes Baguette aus ihrer Küche geholt. Wieder zurück an Bord haben wir noch etwas gefaulenzt und eine Yacht bewundert, die einige Mooringbojen weiter festgemacht hatte. Eine amerikanische Slup, ein Stahlschiff mit sehr elegantem Deckssprung und aufwendigem Holzschmuck lohnte sich wirklich anzuschauen. Am nächsten Morgen ist Heinz dann mit dem Dinghi los um frisches Brot zu besorgen. Das hat er auch glorreich erledigt, aber leider ging ihm auf dem Rückweg der Motor aus und er musste dann zurück paddeln. Zurück an Bord konnte er dann seine Beute abliefern und eine kurze Untersuchung des Motors ergab, dass das Öffnen der Entlüftungsschraube hilfreich gewesen wäre. Nach einem ausgiebigen und langen Frühstück haben wir dann von der Mooring abgelegt und Kurs auf die Ile des Batz genommen. Wind war nicht sehr viel aber es war schön warm und langsam und gemütlich pflügte die WHY 3 durch die Wellen des Kanals. Zwischendurch ist dann auch etwas Nebel aufgekommen aber gegen halb sieben konnten wir zwischen Ile de Batz und Festland Anker werfen. Die Ile de Batz ist ein beliebtes Ausflugziel der Franzosen und zahlreiche Fähren und kleine Passagierdampfer pendeln zwischen dem Festland und der Insel. Weil das aber fast alles Tagesausflügler sind, tritt dann zum Abend hin wieder Ruhe ein und wir haben eine gemütlichen Abend auf der WHY 3 verbracht. Nach langem und erholsamem Schlaf und einem ausgedehnten Frühstück hieß es dann wieder Anker auf und Kurs auf Primel, einem kleinen Hafen auf dem Festland der Bretagne. Der Schlag war kurz und schon bald taucht Primel vor uns auf, ein kleiner, tidenabhängiger Hafen in einer weitgeschwungenen Bucht die durch die Kaimauer zu zwei Drittel vom Meer abgetrennt wurde. In der so geschützten Bucht gibt es etliche Mooringtonnen, aber nur recht wenige für Besucher. Weil wir recht früh waren hatten wir einigermaßen Glück. Einem belgischen Boot, das nach uns kam und keine freie Mooring mehr fand, wäre es fast gelungen ein bereits festgemachtes kleines Fischerboot zu versenken beim Versuch dort festzumachen. Auch in Primel gingen wir auf Beutefang und haben einen kleinen Laden gefunden der uns mit Müsliriegeln, Cidre und Baguettes versorgen konnte. Im Hafen selbst haben wir bei der Genossenschaft leckeren Seeteufel gekauft und so ein phantastisches Abendessen genossen. Wie die anderen Häfen an der Côte granit rosé hat auch Primel riesige Granitfelsen aufzuweisen, die im Licht der untergehenden Sonne rosa schimmern. Deshalb haben wir den Abend nach dem Essen bei Cidre in der Plicht zelebriert. Am nächsten Morgen, Sonntag den 22.8.99 haben wir zunächst festgestellt, dass das GPS an Bord das Roll-Over nicht überstanden hat. Glücklicherweise hatten wir noch ein kleines Magellan dabei das uns dann den Rest des Weges geleitet hat. Es sollte aber für dieses Mal nur nach Ploumanarch gehen und Ulrike fing schon an zu meckern wann denn endlich wieder ein größerer Schlag anstünde. Ploumanarch liegt in der Mündung eines kleinen Flusses. Die Flussmündung ist eng und sehr gewunden und umsäumt von riesigen rosafarbenen Granitfelsen. In der Mündung liegt eine kleine Insel auf der ein wunderhübsches kleines Schlösschen steht, historisch wahrscheinlich wenig wertvoll aber sehr schön anzuschauen. ![]() Die Insel in der Einfahrt von Ploumanarch Der Hafen von Ploumanarch wird durch ein Süll geschützt und wir hatten nicht mehr viel Zeit um noch darüber zu kommen. Auf der anderen Seite wurden wir von einem Gehilfen des Hafenmeisters empfangen, der uns geholfen hat an der Mooring festzumachen. Wir mussten dann zwar noch einmal zwei Tonnen weiter verholen, aber das war dann weniger schwierig. Zunächst zogen wir wieder ins Städtchen um uns mit Proviant zu versorgen und auf dem Rückweg einen Aperitif zu nehmen. Später sind wir dann noch einmal losgezogen und haben eine Klettertour durch die Granitfelsen gemacht. Die sehen aus wie aufeinander geschüttete Kieselsteine und zum Teil begreift man nicht recht wie der dicke Stein auf dem kleine schon viele Jahrhunderte liegen kann ohne umzukippen. Müde und hungrig sind wir dann zum Boot zurückgekehrt und haben zu Abend gegessen. Am nächsten Morgen sind Ulrike und ich zunächst in einer der vielen Buchten des Flusses schwimmen gegangen. Man kann zwar nicht behaupten, dass das Wasser besonders heiß gewesen sei, aber es hat doch viel Spaß gemacht und wir konnten die anderen beiden Warmduscher etwas hänseln. Nach einer Dusche in den sauberen Sanitäranlagen des Hafens sind wir dann wieder zum Boot zurück und Heinz machte sich nach dem Frühstück auf den Weg zur körperlichen Reinigung. Weil es in der Bretagne anders als in England kein Wassertaxi gibt, musste auch er das Dinghi nehmen. Mit ein, zwei Zusatzaufträgen ausgestattet zog er davon und vom Schiff aus konnten wir seinen Weg gut verfolgen. Deshalb stellte Friedrich auch sofort fest, dass Heinz nun wohl die Tiden der Bretagne kennenlernen würde. Er hatte das Dinghi ordentlich an einem Ring der schrägen Rampe am Kai festgemacht und lies sich mit dem Duschen richtig Zeit. Das war ja eigentlich recht positiv, zeigte es doch, dass er ein reinlicher Mensch ist, allerdings stieg in dieser Zeit das Wasser doch um etliche Zentimeter und als Heinz aus der Dusche kam hieß es erst Mal Hose aufkrempeln und ab in die glitschige Brühe um das Dinghi zum festen Land zu bringen. Natürlich haben wir auf dem Boot Zurückgebliebenen dazu überhaupt so gut wie kein Wort darüber verloren - aber alles gefilmt. Nach diesem Abenteuer machten wir von der Mooring los und am frühen Nachmittag ging es nach Perros Guirec. Dazu mussten wir wieder aus der Flussmündung raus und einmal um die östliche Landspitze herum, nur wenige Meilen weiter. Auch Perros Guirec liegt in einer großen und tief eingeschnittenen Bucht. Der Hafen hat eine schmale ausgebaggerte Fahrrinne als Zufahrt und wird durch eine Mauer und ein Sieltor vor dem Trockenfallen geschützt. Das Tor wird zu halbem Wasserstand geöffnet bzw. geschlossen und wir kamen noch zurecht um in den Hafen einzulaufen. Das sieht dann schon sehr seltsam aus, wenn bei hohem Wasserstand mitten aus dem Wasser ein Tor ragt, durch das man durchfahren muss. Aber neben dem Tor vorbei sollte man mit 2 m Tiefgang besser nicht wollen. Auch in Perros sind wir an Land gegangen und haben einen langen Spaziergang durch die wunderschöne Granitfelsenlandschaft gemacht. Die Bretagne hat in den letzten Jahren sehr viel für den Erhalt dieser malerischen Landschaft getan und der Erfolg zeigt, dass man Tourismus und Landschaftsschutz durchaus miteinander verbinden kann. Die Städtchen sind sehr touristisch geprägt und anscheinend auch gern vor allem von den Franzosen selbst besucht. Die kleinen Häuser aus Bruchsteinen waren sorgfältig renoviert und frisch gestrichen und leuchteten in der Sonne. Und weil die Sonne so schön schien konnten wir es uns nicht verkneifen ein Eiscafe aufzusuchen und eine große Portion Eis zu essen. Abends haben wir dann genau ausgerechnet wann wir am nächsten Morgen aus dem Hafen heraus müssen und stellten zu unserem Erschrecken fest, dass spätestens um 4 Uhr das Sieltor für acht Stunden geschlossen würde. Also war klar, morgens um halb vier aufstehen, das Boot aus dem Hafen bringen und es an eine der Mooringtonnen in der Fahrrinne festmachen. Dann wieder hinlegen und bis zum Morgen noch etwas schlafen. Gegen acht haben wir uns dann frohgelaunt an den Früstückstisch gesetzt und Pläne für den Tag geschmiedet, bis Friedrich die Frage stellte: Warum steht die Marmelade schief?
Heinz stürmte direkt an Deck, was zur Folge hatte, dass sich das Boot mit
einem Ruck auf die andere Seite legte und die Marmelade vom Tisch flog.
Ergebnis war, dass wir nicht weit genug in der Fahrrinne gelegen hatten und
nun im Schlick bereits hoffnungslos festsaßen. Also, Frühstückstisch
abräumen, Marmelade einsammeln und raus ins Cockpit um uns die Malaise
anzuschauen. Langsam aber erbarmungslos neigte sich das Boot immer weiter
zur Seite bis es im 45° Winkel hing, ein erbärmlicher Anblick.Nach rund vier Stunden war das Drama dann zu Ende und wir waren wieder frei. Die Segel wurden gesetzt und ab ging es in Richtung Treguier. Auch Treguier liegt in einer Flussmündung und ist ein etwas größeres, sehr sehenswertes Städtchen. Nicht nur dass es eine hübsche Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern hat, es gibt dort auch ein hervorragendes Restaurant in dem wir erschöpft von der Wanderung gemütlich und ausgiebig dinierten. Die Kirche von Treguier mit den durchbrochenen Turmspitzen, die schon von weitem gut sichtbar sind ist recht bekannt und der ganze Ort ist wirklich eine Besichtigung wert. Auch der Hafen selbst ist sehr hübsch und recht ordentlich ausgebaut, die Sanitäranlagen neu und in sehr gutem Zustand. Von Treguier wollten wir am Mittwoch Morgen dann eine Flussmündung weiter nach Lezardrieux. Auf dem Weg dorthin, im Prinzip ebenfalls nur um eine Landspitze herum haben wir eine Delphinherde gesichtet, leider etwas weit weg von uns. Auch Lezardrieux ist ein recht hübsches altes Städtchen einige Meilen landeinwärts. Besonders schön ist aber die Flussmündung, die sehr breit und flach ist und übersät mit Granitfelsen, die rosafarben aus dem Wasser ragen. Irgendwo zwischen den Felsen haben wir dann Anker geworfen und weil es so schönes Wetter war, sind Ulrike und ich noch einmal ins Wasser gegangen. Das war auch mindestens ein Grad wärmer als in Ploumanarch. Es war dann recht interessant festzustellen wie stark ein Knoten Strömung sein kann und wir waren heilfroh, dass wir das Dinghi ausgebracht hatten und uns Leinen umgebunden hatten. Zurück an Bord wurde der Anker gelichtet und ab ging es nach Lezardrieux. Weil wir noch verschiedene Takelarbeiten erledigen wollten haben wir uns mit Tampen versorgt. Auch der Cidre neigte sich mal wieder seinem Ende zu und Friedrich kannte in Lezardrieux eine gute Kellerei. Dort sind wir dann auch hingegangen und haben ein bis zwei Kistchen Cidre erstanden. Ulrike und Heinz sind dann schon mal mit der Beute an Bord gegangen und Friedrich und ich wollten nur mal eben noch Fisch fürs Abendessen besorgen. Weil der Fischstand im Hafen bereits geschlossen hatte, mussten wir etliche Kilometer weit über einen Berg hinweg laufen, dafür hatten wir dann aber die Auswahl zwischen mehreren Fischläden, allerdings hatte uns ein Einheimischer zu einem ganz bestimmten Laden geraten, da bei den anderen der Fisch nicht immer so ganz frisch wäre. Mit Thunfischsteaks in der Tüte sind wir dann wieder zurück zum Boot und haben uns ein üppiges Mahl angerichtet. Anschließend waren alle zu faul um noch einmal ins Städtchen zu gehen. Am nächsten Tag war es dann schon Donnerstag und wir mussten schweren Herzens als nächsten Zielhafen Saint Malo anvisieren. Morgens geht es los. Die Leinen werden von der Mooring gelöst und wir fahren zunächst unter Motor aus dem Flüsschen hinaus. Diesmal nehmen wir eine östliche Fahrrinne und können bald mit fast östlichem Kurs die Segel setzen. ![]() Dann ist uns endlich das Glück hold. Heinz fragt plötzlich ganz bescheiden wie es seine Art ist, ob das, was da auf uns zukommt denn wohl Delphine sein könnten. Tatsächlich kommt eine Herde von zwanzig bis dreißig Delphinen auf uns zu. Schnell werden die Kameras und der Camcorder bereit gemacht und dann geht das Warten los. Leider drehen die Delphine in weiter Distanz ab. Weil wir die wohl letzte Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen wollen, wird der Motor angeworfen und wir fahren hinter den Delphinen her. Die merken wohl bald, dass wir uns für sie interessieren und werden selber neugierig. Sie drehen wieder um und kommen auf uns zu. Fast eine Viertelstunde lang springen und tauchen sie um unser Boot herum und begleiten unseren Weg. Dann wird es ihnen doch zu langweilig und sie ziehen weiter. Wir sind nun zufrieden auch Delphine gesehen zu haben und freuen uns über unser Glück, denn dass sie solange um uns schwimmen hätten wir wirklich nicht zu hoffen gewagt. ![]() Weiter geht es wieder mit östlichem Kurs und weil der Wind so gut steht setzen wir wieder den Spinnaker. Zunächst ziehen wir ihn auf Backbbord hoch. Weil der Wind etwas ungünstig kommt müssen wir den Spi-Baum weit nach hinten nehmen. Dabei wird er von der Want etwas angesägt. Der Wind dreht weiter Richtung Nordwest und wir müssen den Spinnaker nach Steuerbord schiften. Mit dem Spi machen wir hervorragend Fahrt und sehen schneller als gedacht Cap Frehel auf seiner weit ins Meer ragenden Landzunge. Die Menschen die oben auf der Steilküste herumlaufen sehen aus wie kleine Ameisen.
Cap Frehel Hinter Cap Frehel taucht dann auch schon das imposante Fort Laffite auf. Dort wurde in den sechziger Jahren der Film "Die Wikinger" mit Kirk Douglas und Tony Curtis gedreht. Der Wind dreht weiter Richtung Nord und wir fahren den Spi jetzt ohne Baum als Super-Genua. So geht es bei strahlendem Sonnenschein rasch weiter und entlang der Steilküste von St- Cast le Gildo kommen wir dann am späten Nachmittag vor St. Malo an. Der Spinnaker wird gegen die Genua gewechselt und weiter geht es unter Segel Richtung St. Malo. Die Zufahrt zu St. Malo ist zwar gut betonnt, man muss aber weit hinaus fahren wegen der vielen Untiefen vor der Küste. Dann kommt noch hinzu, dass in der engen Fahrrinne eine Menge los ist und die Schnellfähren und großen Katamaranfähren fast auf Armlänge Distanz an einem vorbeifahren. Wenn dann so ein Ungetüm auch noch vor einem wendet und es aussieht, als wollte es uns zwischen seine Kiele nehmen, dann wird einem doch etwas mulmig zumute. Glücklicherweise hat die Kiste nur gedreht um rückwärts in den Hafen einzufahren, aber das muss man erst einmal wissen.
Auf jeden Fall war dieser letzte Abschnitt ziemlich lang und aufregend. Deshalb kommen wir auch erst gegen Abend in St. Malo an und segeln bis in die Box. Leider müssen wir das Boot dann noch einmal verlegen aber dann liegen wir sicher und gut vertäut und machen zunächst mal einen Rundgang durch den Hafen. Unsere Autos, die wir vor drei Wochen im Hafengelände abgestellt haben, sind noch unversehrt vorhanden und so können wir uns noch einen gemütlichen letzten Abend auf unserem Boot machen, das uns so gut und problemlos durch die Gegend geschippert hat. Am nächsten Morgen beginnt dann das übliche Reinigungszeremoniell und zu Mittag geben wir das Boot ab. Wir fahren noch nicht direkt nach Hause, denn wir wollen uns noch kurz Dinan anschauen, einige Kilometer weiter im Inland ebenfalls an der Rance gelegen. ![]() Dinan ist eine mittelalterliche Stadt mit wunderschön restaurierten alten Häusern, einer teilweise erhaltenen Festungsmauer und einer mittelalterlichen Brücke über die Rance. Eine Stadt, die man sich wirklich anschauen sollte wenn man die Gelegenheit dazu hat. In Dinan essen wir eine Kleinigkeit und dann geht es weiter, dieses Mal wirklich Richtung Heimat. Weil wir aber schon einmal da sind, wollen wir wenigstens noch einen Blick auf den Mont St. Michel werfen und einige Bilder machen. Gesagt getan und dann geht es endgültig Richtung Heimat. Ein Teil der Strecke muss wieder via Landstraße bewältigt werden und weil Friedrich das schnellere Auto hat, fährt er hinter uns her. Wie der Teufel es will verlieren wir uns dann doch noch. Per Handy wird die Position durchgegeben und als wir Friedrich und Ulrike dann finden, war es schon interessant zu sehen, wie Friedrich gerade auf dem Strandstreifen der Straße seine Position mittels GPS und Straßenkarte bestimmen wollte - gut, dass er den Sextanten ganz weit unten eingepackt hat. Dann geht es weiter Richtung Heimat und am sehr frühen Morgen erreichen wir hundemüde zuerst Büttgen, wo wir Heinz absetzen und dann Düsseldorf. Die Autos werden zunächst nicht ausgeräumt weil es viel wichtiger ist das Bett aufzusuchen. So ist ein sehr schöner, sehr interessanter und auch sehr lehrreicher Urlaub zu Ende gegangen. Wie immer ist ein solcher Urlaub dann eigentlich zu kurz gewesen und sofort werden neue Pläne geschmiedet, wo der nächste Törn hingehen soll. Davon wird ein andermal zu berichten sein.
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